Wie lange noch?

von Hans-Jürgen Westphal

 

"Wie lange noch wird es dauern, bis die Eisnacht vorbei  ist?“ „Mein Freund, was soll ich dir sagen, was du nicht schon längst weißt, was alle Welt bereits weiß. Die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus führen zur Kommunistischen Revolution. Hier, Seite 790. Lies.“ „Ja. ‘Das Kapital’ Band I. ‘Sobald dieser Umwandlungsprozeß nach Tiefe und Umfang die alte Gesellschaft hinreichend zersetzt hat, sobald die Arbeiter in Proletarier, ihre Arbeitsbedingungen in Kapital verwandelt sind, sobald die kapitalistische Produktionsweise auf eigenen Füßen steht, gewinnt die weitere Vergesellschaftung der Arbeit und weitere Verwandlung der Erde und andrer Produktionsmittel in gesellschaftlich ausgebeutete, also gemeinschaftliche Produktionsmittel, daher die weitere Expropriation der Privateigentümer, eine neue Form. Was jetzt zu expropriieren, ist nicht länger der selbstwirtschaftende Arbeiter, sondern der viele Arbeiter exploitierende Kapitalist. Diese Expropriation vollzieht sich durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die bewußte technische Anwendung der Wissenschaft, die planmäßige Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter, gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreicht einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden epropriiert.’ Ja, das wird so sein. Das ist absolut sicher. Aber wann?“ „Wieder sage ich dir nichts Neues. Du kennst Lenins Imperialismusanalyse. Sie ist ja nichts weiter als die Konkretisierung des schon von Marx erkannten Prozesses. Wir leben nicht im Frühkapitalismus, sondern im Spätkapitalismus.“ „Ja, im Imperialismus.“ „Aber nicht am Anfang des Imperialismus, sondern in der Endphase. Der Rückschlag in Europa ist eben nur eine Verzögerung bei der Betrachtung des weltpolitischen Prozesses. Die Volksrepublik China ist da und bei aller Kritik sehen wir doch, das es dort nicht zur Restauration gekommen ist, sondern daß der gesellschaftliche Sektor wieder wächst. Dann wollen wir die KDVR und Vietnam nicht vergessen. In Amerika ist Kuba nicht alleine geblieben. Venezuela, Bolivien, Ecuador und Nicaragua sind auf dem Wege zum Sozialismus. Und, mein Freund, ist denn hier in der BRD der Imperialismus fest im Sattel?“ „Nein. Die 3,7 Millionen Arbeitslosen, die 7,3 Millionen Hartz-IV-Geldempfänger, die ständige Verteuerung des Lebens, das alles bleibt nicht ohne Wirkung.“ „Und, das wollen wir nicht vergessen, relativ ist der Niedergang in der BRD geringer. Denken wir an Polen, an Rumänien, Bulgarien, Moldavien usw., kurz, es gibt keine Region auf der Erde, wo der Imperialismus stabiler geworden ist. Der Hauptfeind der Menschheit, die USA, haben den kleinen imperialistischen Staat Irak noch immer nicht besiegt, und den Iran anzugreifen, haben sie noch immer nicht gewagt. Die gewaltige Militärmaschinerie richtet die USA selbst zu Grunde.“ „Großbritannien hat sich ja schon zum großen Teil zurückgezogen aus dem Irak.“ „Ja, was die USA zwang, noch mehr Truppen in die Schlacht zu werfen. Der Krieg wurde begonnen mit 150 000 Soldaten der Gesamtstreitkräfte. Davon waren ja immerhin 30 000 britische Söldner. Heute hat  n u r  die USA 160 000 Soldaten im Krieg und sie schaffen es nicht, sich zu behaupten.“ „Und die 40 000, wovon ja auch die BRD Truppen stellt, die in Afghanistan im Krieg sind, erreichen genau so wenig einen Sieg.“ „Also wie lange noch wird sich die Menschheit diesen mörderischen Imperialismus gefallen lassen? Ich sage: nicht mehr lange!“ „Was ist das, nicht mehr lange?“ „Eine Jahreszahl kann ich dir nicht sagen, weil wir vieles nicht einschätzen können. Denke doch bitte an den 1. Mai 2006, als wir abends nach den Maifeierlichkeiten noch zusammen saßen und die Tagesschau sahen. Wir wollten uns nur die Hetze der Bourgeoisie ansehen.“ „Oh, ja, das war ein schöner Tag. Ich meine jetzt die Meldung in der Tagesschau, als uns mitgeteilt wurde, daß in Bolivien die Erdöl- und Erdgaskapitalisten verjagt worden sind und das gesellschaftliche Eigentum in diesem wichtigen, dem überhaupt wichtigsten Sektor hergestellt wurde.“ „Das will ich ja sagen: wir wurden davon überrascht. Wir haben es nicht einschätzen und erwarten können. So ist das ständig. Denke doch an das Wirtschaftswachstum von Kuba. Du mußt doch zugeben, daß du die 12,5 % Wirtschaftswachstum nicht erwartet hast.“ „Ich weiß. Ja, und so hängt letztlich alles am subjektiven Faktor. Der Dreh- und Angelpunkt bei uns ist das Klassenbewußtsein unserer Klasse. Und an der Entwicklung des revolutionären Bewußtseins hier in der BRD erfolgreich zu arbeiten, ist immer besser möglich.“ „Denke mal an den 1. Juli 1990 als die DM eingeführt wurde. Und nun denke an die Stimmung heute.“ „Oh, ja, es ist eine gewaltige Ernüchterung eingetreten.“ „Und die ‘Niederlagenanalyse’ liegt auch vor. Wir sind am Vorabend der Kommunistischen Revolution und zwar objektiv. Viele wissen es nur noch nicht.“ „Der subjektive Faktor!“

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