Sonnenlicht

von Hans-Jürgen Westphal

(hier als Hörspiel)

 

„Dieses starke Sonnenlicht wirft so starke Schatten, dass das Gras relativ dunkel erscheint. Ja, wo Licht ist, da ist auch Schatten.“ „Ein schöner Tag, ein Sonnentag, leider nicht über  u n s e r e m  Land.“ „Ja, die Gegensätze sind da, die alten, die verhassten, die längst für überwunden gehaltenen Klassengegensätze.“ „Sonnenschein im Feindesland.“ „Ja, leider. ‘Deutschland’ hat es  n i e  verdient ‘über alles in der Welt’ gestellt zu werden,  a u c h  h e u t e  n i c h t !“ „Wie sich die Gegensätze doch in den Hymnen zeigen! Unsere Hymne ist gut.“ „Und sie wird bleiben, sie wird die Siegeshymne geworden sein. Oh, wie schön sie ist, unsere Nationalhymne!

 

 

                                               Unsere Nationalhymne (als mp3)

 

                                               Auferstanden aus Ruinen

                                               Und der Zukunft zugewandt,

                                               Laß uns dir zum Guten dienen,

                                               Deutschland, einig Vaterland.

                                               Alte Not gilt es zu zwingen,

                                               Und wir zwingen sie vereint,

                                               Denn es muß uns doch gelingen,

                                               Daß die Sonne schön wie nie

                                               Über Deutschland scheint.

 

                                               Glück und Friede sei beschieden

                                               Deutschland, unserm Vaterland!

                                               Alle Welt sehnt sich nach Frieden!

                                               Reicht den Völkern eure Hand.

                                               Wenn wir brüderlich uns einen,

                                               Schlagen wir des Volkes Feind.

                                               Laßt das Licht des Friedens scheinen,

                                               Daß nie eine Mutter mehr

                                               Ihren Sohn beweint!

 

                                               Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,

                                               Lernt und schafft wie nie zuvor,

                                               Und der eigenen Kraft vertrauen,

                                               Steigt ein frei Geschlecht empor.

                                               Deutsche Jugend, bestes Streben

                                               Unsres Volks in dir vereint,

                                               Bist du Deutschlands neues Leben,

                                               Und die Sonne schön wie nie

                                               Über Deutschland scheint.

 

 

Besonders liebe ich den Satz ‘Daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint’.“ „Ja, auch der ist geballte Geschichte und ihre positive Aufhebung. Die Mutter, die ihren Sohn beweint, gehört ganz der Klassengesellschaft an. Es ist die Frau aus dem Volke, aber auch die ‘Mutter Gottes’, die in der Klassengesellschaft ihren Sohn beweint. Das ‘den Sohn Beweinen’ gehört der Klassengesellschaft an, notwendig an und es soll die Klassengesellschaft  s o  verewigen, ‘den Sohn beweinend’.  D a m i t , mit der ‘Beweinung’, soll das Beweinen  b e i b e h a l t e n  werden. Das muss bekämpft werden!“ „Ja, die ‘Beweinung’ muß bekämpft werden, nicht nur die materielle Basis, das Privateigentum an den gesellschaftlichen Produktionsmitteln, auch der Überbau. Unser Beispiel für den Überbau ist hier ‘Die Beweinung’. Die Gebenedeite ist  k e i n  positives Vorbild, nein, sie ist ganz Reaktion, ist die Vergöttlichung der Demut, des sich-in-das-Schicksal-Fügens, des Beibehaltens, des Ertragens der Klassengesellschaft.“ „Und diese Demut, dieses reaktionäre Beweinen des Sohnes wird zum Gegenstand der Anbetung erhoben, von denen die lachen, heute von der Bourgeoisie.“ „Richtig! Von denen, die die  B e d i n g u n g e n  aufrechterhalten wollen und klassenbedingt sogar aufrechterhalten  m ü s s e n , in denen die Frau des Volkes ihren Sohn beweint.“ „Und sie beweint ihn ja nicht nur weil er, der Sohn, als Soldat an der Front gefallen ist ‘fürs Vaterland’, sondern auch weil er bei der Arbeit tödlich verunglückt ist, weil er abgestochen wurde von Dieben, die dann nicht einmal ein paar Euro erbeuteten bei der Beraubung des Hartz-IV-Geldempfängers, weil der Sohn sich totgesoffen hat, sich eine Überdosis gespritzt hat, den ‘goldenen Schuß’, sich beim Extremsport alle Knochen gebrochen hat, … ach, lassen wir’s.“ „Das natürliche Verhältnis von Mutter und Sohn gehört dem Sozialismus an. Die DDR war die Auferstehung, ja, sie ist Auferstanden aus den Ruinen der Klassengesellschaft und war Realität. Keine Fiktion. Keine ‘Hoffnung auf eine bessere Welt’. Sie war das positivste, das beste Ergebnis und Ereignis des Klassenkampfes der Unterdrückten gegen die Unterdrücker.“ „Sie ist der Beweis dafür, der unumstößliche Beweis dafür, dass Mutter und Sohn da sein und bleiben können sogar in Deutschland.“